Rethink Your Challenge

klick.pop beim serious play

Gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen, und dann Konzepte entwickeln und immer wieder testen – die Impulse, die wir aus unserem ersten Design Thinking-Workshop mitnehmen konnten, haben wir versucht, in unser Projekt zu integrieren: Nicht nur unseren Auftrag haben wir gedreht und gewendet –  auch unser Thema wollten wir noch einmal aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Den Auftrag neu denken

Im Wortlaut hieß unserer Auftrag so:

Das Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) bietet gemeinsam mit detektor.fm die Chance, interaktive Longreads für Musikformate zu entwickeln und zu produzieren. Dabei soll erforscht werden, wie sich Radiobeiträge mit Scrollytelling erweitern lassen und wie sich das in die tägliche Redaktionsarbeit integrieren lässt. Entstehen sollen scrollbare, interaktive Geschichten zu KünstlerInnen und Bands und damit idealerweise eine zeitgemäße Form des Musikjournalismus.

Um die Aufgabenstellung aus einer neuen Perspektive zu betrachten, sollten wir sie in Fragen umformulieren, wobei die Ansprüche und Bedürfnisse unserer Nutzer als Verben und die Lösungen dafür als Nomen formuliert werden sollten. Ein kleines Beispiel: Lautete unser Auftrag “Baut eine Brücke”, wäre der Bau der Brücke die Lösung – und das Nutzerbedürfnis, das wir erfüllen wollen, lautete in etwa: etwas zu überqueren.

Bevor wir uns also ins Projekt stürzten, stellten wir uns immer die Frage, warum und für wessen Bedürfnisse wir etwas tun. Formuliert werden diese in konkreten “Wie könnten wir”-Fragen:

Auftrag 1: Interaktive Longreads für Musikformate entwickeln und produzieren

  • Wie könnte der Nutzer an unserer Geschichte teilhaben?
  • Wie könnten wir den Nutzer in unsere Geschichte einbinden?
  • Wie könnten wir den Nutzer näher an unsere Geschichte heranführen?

Auftrag 2: Radiobeiträge mit Scrollytelling erweitern

  • Wie könnten wir durch den Einsatz verschiedener Medienarten erreichen, dass Nutzer Radiobeiträge abwechslungsreicher, spielerischer und intuitiver erfahren können?
  • Wie könnten wir Nutzer dazu bringen, sich länger mit Geschichten zu beschäftigen?

Auftrag 3: Scrollytelling in die tägliche Redaktionsarbeit integrieren

  • Wie könnten wir die einfache Anwendung von Scrollytellings durch Redakteure erreichen?
  • Wie könnten wir eine verständliche Anleitung für Redakteure gestalten, sodass abwechslungsreiche Geschichten mit verschiedenen Elementen entstehen?
  • Wie könnten wir den Redakteuren Lust darauf machen, Scrollytellings zu erstellen?

Auftrag 4: Scrollbare, interaktive Geschichten zu KünstlerInnen und Bands erstellen

  • Wie könnten wir Geschichten zu Künstlerinnen und Bands so entwickeln, dass Nutzer sie durchscrollen möchten und interaktiv mitgestalten können?
  • Wie könnten wir unsere Zielgruppe für scrollbare, interaktive Geschichten zu KünstlerInnen und Bands interessieren?

Auftrag 5: Eine zeitgemäße Form des Musikjournalismus erarbeiten

  • Wie könnten wir eine Struktur für eine zeitgemäße Form des Musikjournalismus entwickeln?
  • Wie könnten wir Geschichten so erzählen, dass sie den Ansprüchen des modernen Nutzers gerecht werden?
  • Wie könnten wir Geschichten so erzählen, dass Nutzer Spaß daran haben, sie zu erfahren?
  • Wie könnten wir Geschichten so erzählen, dass Musikjournalismus in die alltägliche Mediennutzung unserer Zielgruppe passt?

Das Thema konkretisieren

Pop ist kein weißer, heterosexueller Mann. And it shouldn't be.
Pop ist kein weißer, heterosexueller Mann. And it shouldn’t be. (Quelle: klick.pop)

Die Impulse, die wir aus der “Framing And Reframing Our Desing Challenge” bekommen haben, haben wir auch für die Konkretisierung unseres ersten Themas (Frauen in der Musikbranche) zu nutzen. Zunächst haben wir Stoff und Fragestellung unseres Themas genauer ausgearbeitet.

Ist Pop ein weißer, heterosexueller Mann? Ist die Pop-Musikbranche zu wenig divers? Ausgehend von diesen Fragen haben wir weitere Fragen formuliert, die herausstellen, was uns am Thema wirklich interessiert. Zum Beispiel: Welche Faktoren bedingen, dass die Branche noch männerdominiert ist? Wie bedingen sich eine Ungleichstellung in der Pop-Musikbranche und eine gesellschaftliche Ungleichstellung? Was für ein Bild hat unsere Gesellschaft von Frauen in der Musikbranche und wie sehen Männer in der Musikbranche das eigentlich?

Fragen, Fragen, Fragen – und eine Leitfrage

Fragen Fragen Fragen
Quelle: klick.pop

Davon ausgehend haben wir schließlich Fragen für die einzelnen Facetten unseres Themas  formuliert. Durch die Methode des Fragen-Formulierens konnten wir unser Thema konkretisieren und einen Fokus setzen – und zugleich einen Konsens für die Vorstellungen der einzelnen Teammitglieder finden. Als Leitfrage haben wir schließlich formuliert:

Wie dick ist die gläserne Decke in der Musikindustrie?

Dummytesting

Bevor unser Projekt im Herbst online geht, möchten wir einen Betatest anhand eines Prototypen durchführen. Im zweiten Design Thinking Workshop bekamen wir von Guy Degen einige Tipps dazu. So sollten wir im Vorhinein genau festlegen, was wir von den Nutzern erfahren möchten.

Konkrete Fragestellungen sollten uns diese Antworten liefern, also beispielsweise: Was hat Ihnen gut gefallen? Was hat Sie irritiert? Was hat Sie ggf. zum Abbrechen gebracht? Aber auch: In welcher Situation haben Sie das Scrollytelling gelesen? Unterwegs, daheim, im Café? Wie wichtig ist Ihnen, dass Sie den Ablauf der Geschichte selbst steuern können? Wichtig ist es außerdem, das Testing einfach – und für den Nutzer so (zeit)unaufwändig wie möglich zu gestalten.

Sinnvoll wäre es auch, zunächst Feedback von Experten einzuholen und erst im Anschluss mit Nutzern zu sprechen. Wir haben uns deshalb vorgenommen, unser Betatesting erst mit MIZ-Mitarbeitern und detektor.fm-Redakteuren durchzuführen – danach eventuell noch etwas an der Konzeption unseres Testings zu ändern – und anschließend den Testerkreis zu erweitern. Durch die Beobachtung des Nutzerverhaltens und die Antworten der Nutzer im Betatesting wollen wir unser Produkt schließlich überarbeiten und verbessern.

 

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